Petrikirche Wiemelhausen – Umbau zu Wohnungen und Kita | In Planung
Die seit Jahren leerstehende und wegen erheblicher Bauschäden gesperrte Petrikirche in Bochum-Wiemelhausen soll eine neue Nutzung erhalten. Nach den aktuellen Planungen der Evangelischen Kirchengemeinde Wiemelhausen ist ein weitgehender Umbau des denkmalgeschützten Kirchengebäudes vorgesehen. Entstehen sollen Wohnungen und eine Kindertagesstätte.
Das Konzept befindet sich inzwischen in einer konkreteren Planungsphase. Die Kirchengemeinde führt Gespräche mit einem potenziellen Investor und einem Architekten. Der Entwurf wurde bereits im Sommer 2025 im Bochumer Beirat für Gestaltung und Baukultur vorgestellt und dort positiv bewertet. Ein Bauantrag und eine denkmalrechtliche Erlaubnis liegen allerdings noch nicht vor.
Projektdaten
Projekt: Umnutzung Petrikirche Wiemelhausen
Adresse: Wiemelhauser Straße 257, Bochum-Wiemelhausen
Bestand: denkmalgeschützte Petrikirche und Pfarrhaus
Baujahr Kirche: 1901–1903
Denkmalschutz: seit 1989
Geplante Nutzung: Wohnen und Kita
Wohnraum: geplant, teilweise als bezahlbarer Wohnraum
Kita: geplant
Gemeinschaftsraum: möglicherweise vorgesehen
Pfarrhaus: soll erhalten und saniert werden
Vorbild: Antonius-Quartier Bochum-Griesenbruch
Investor: Gespräche laufen
Bauantrag: noch nicht eingereicht
Denkmalrechtliche Erlaubnis: noch nicht erteilt
Baubeginn: noch offen
Umbau statt kompletter Neubau
Das Konzept sieht keinen vollständigen Abriss der Petrikirche vor. Vielmehr soll das historische Kirchengebäude teilweise erhalten und in eine neue Nutzung überführt werden. Als Vorbild dient das Antonius-Quartier im Bochumer Griesenbruch, bei dem eine ehemalige Kirche ebenfalls zu Wohnraum umgebaut wurde. Dort blieben der markante Kirchturm und Teile der historischen Außenwände erhalten, während innerhalb der ehemaligen Kirche neue Wohnungen entstanden.
Für die Petrikirche wird ein ähnlicher Ansatz diskutiert. Pfarrer Martin Röttger wünscht sich insbesondere den Erhalt der Westfassade mit dem Hauptturm und dem kleinen Zierturm sowie der Südfassade. Gleichzeitig soll im Bereich der weniger einsehbaren Nordostseite ein neuer, langgestreckter Gebäudeteil entstehen. Dort könnten die geplanten Wohnungen und die Kita untergebracht werden.
Die Stadt Bochum steht dem Konzept grundsätzlich positiv gegenüber. Nach Angaben der Verwaltung wurde der Entwurf bereits 2025 im Beirat für Gestaltung und Baukultur beraten. Der Erhalt der stadtbildprägenden Ecksituation und wichtiger Teile der Kirche wurde dabei ausdrücklich begrüßt.
Architektur der Petrikirche
Die Petrikirche gehört zu den markantesten historischen Gebäuden in Wiemelhausen. Die rote Backsteinfassade, der hohe Hauptturm und der kleinere Zierturm prägen das Erscheinungsbild des Stadtteils. Die Kirche wurde 1901 bis 1903 errichtet und steht seit 1989 unter Denkmalschutz. Architektonisch ist sie insbesondere durch ihre neugotischen Backsteinfassaden und den kreuzförmigen Grundriss geprägt. Die Planung orientierte sich am sogenannten Wiesbadener Programm, bei dem Altar, Kanzel und Orgel zentral aufeinander bezogen wurden.
Auch der Innenraum besitzt eine hohe gestalterische Qualität. Erhalten sind unter anderem die markante Holzdecke, Backsteinbögen, das Gestühl und die Buntglasfenster. Trotz verschiedener Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg ist das ursprüngliche Raumkonzept noch deutlich ablesbar. Gerade diese Verbindung aus denkmalgeschützter historischer Gebäudehülle und neuer Nutzung macht das geplante Projekt architektonisch besonders interessant.
Wohnungen und Kita
Im Mittelpunkt des neuen Nutzungskonzepts stehen zwei zentrale Nutzungen:
Wohnen: Im ehemaligen Kirchengebäude beziehungsweise in den neu entstehenden Gebäudeteilen soll neuer Wohnraum geschaffen werden. Pfarrer Martin Röttger spricht ausdrücklich von bezahlbarem Wohnraum.
Kindertagesstätte: Zusätzlich ist eine Kita vorgesehen. Die genaue Zahl der Betreuungsplätze steht derzeit noch nicht fest.
Die neue Bebauung soll vor allem im Nordosten des Grundstücks entstehen. Dadurch kann die stärker zur Straße orientierte historische Kirchenarchitektur möglichst weitgehend erhalten bleiben, während die weniger prägnante Rückseite für die neue Nutzung weiterentwickelt wird.
Pfarrhaus soll erhalten bleiben
Auch das direkt neben der Kirche stehende Pfarrhaus soll nach derzeitiger Planung erhalten bleiben.Das Gebäude soll saniert werden, wobei sein äußeres Erscheinungsbild erhalten bleiben soll. Im Inneren wird über eine neue Aufteilung nachgedacht. Derzeit sind dort zwei Wohnungen vorhanden. Denkbar sind künftig entweder drei Wohnungen oder zwei Wohnungen und ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss. Ein solcher Gemeinschaftsraum könnte nach den Vorstellungen der Gemeinde auch für das Quartier eine wichtige Funktion übernehmen.
Zustand der Kirche
Die Petrikirche ist seit Jahren wegen erheblicher Schäden geschlossen. Bereits 2011 wurden unter dem Gebäude ein Luftschutzstollen und ein nicht ordnungsgemäß verfüllter Bergbaustollen entdeckt. Die Hohlräume wurden anschließend verfüllt. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch weitere erhebliche Schäden. Unter anderem wurden Probleme am Dach und am Tragwerk festgestellt. Ein Gutachten aus dem Jahr 2017 stellte fest, dass die Standsicherheit des Dachstuhls nicht gewährleistet war.
Auch heute ist der Sanierungsbedarf erheblich. An der roten Backsteinfassade sind Risse sichtbar, zudem haben Witterungseinflüsse insbesondere der Nordseite zugesetzt. Im September 2026 wurde deshalb auch der Kirchturm mit einem Hubsteiger untersucht. Nach Angaben der Stadt Bochum bestätigte die Untersuchung, dass der Turm standsicher ist und aktuell keine Gefahr für Passanten oder den Verkehr besteht. Kleinere Erhaltungsmaßnahmen wurden durchgeführt.
Noch kein Baubeginn
Trotz der inzwischen konkreten Pläne steht der eigentliche Umbau noch nicht unmittelbar bevor. Zunächst muss das aktualisierte Bauzustandsgutachten vorliegen. Außerdem müssen die Gespräche zwischen Kirchengemeinde, Investor, Architekt und Denkmalbehörde abgeschlossen werden.
Ein Bauantrag und eine denkmalrechtliche Erlaubnis wurden bislang noch nicht eingereicht. Vor einem möglichen Baubeginn muss die Kirche außerdem offiziell entwidmet werden. Hierzu laufen Gespräche zwischen der Kirchengemeinde, dem Kirchenkreis und der Landeskirche.
Auch die historische Orgel muss vor einem Umbau einen neuen Standort erhalten. Die Gemeinde führt hierzu Gespräche über einen möglichen Umzug in eine andere Bochumer Kirche.
Ein neues Kapitel für die Petrikirche
Nach mehr als zehn Jahren Leerstand könnte damit erstmals eine realistische Perspektive für die Zukunft der Petrikirche entstehen. Statt die Kirche vollständig aufzugeben, soll das denkmalgeschützte Gebäude teilweise erhalten und mit neuen Nutzungen verbunden werden. Wohnen, Kinderbetreuung und möglicherweise ein Gemeinschaftsraum könnten künftig an die Stelle der früheren kirchlichen Nutzung treten.
Besonders spannend wird dabei die architektonische Frage, wie viel der historischen Kirche erhalten werden kann und wie sich die neuen Gebäudeteile in das denkmalgeschützte Ensemble einfügen. Das Projekt steht damit exemplarisch für den Umgang mit nicht mehr benötigten Kirchengebäuden: Erhalt prägender historischer Bauteile und gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige neue Nutzung.
Bauchronologie
1901–1903: Bau der Petrikirche.
1989: Die Kirche wird unter Denkmalschutz gestellt.
2011: Unter der Kirche werden Hohlräume beziehungsweise ein Luftschutz- und Bergbaustollen entdeckt. Das Gebäude wird vorübergehend geschlossen.
2015: Nach weiteren Schäden wird die Petrikirche erneut dauerhaft geschlossen.
2017: Ein Gutachten stellt Probleme mit der Standsicherheit des Dachstuhls fest.
2025: Ein Konzept zur Umnutzung wird mit der Stadt beziehungsweise dem Beirat für Gestaltung und Baukultur beraten und positiv aufgenommen.
2025: Die Gemeinde versucht erfolglos, die Kirche über einen Makler am freien Immobilienmarkt zu vermarkten.
2026: Gespräche mit einem potenziellen Investor laufen. Vorgesehen sind Wohnungen und eine Kita. Der Kirchturm wird untersucht und als standsicher bewertet.
September 2026: Das aktuelle Bauzustandsgutachten wird überarbeitet. Bauantrag und denkmalrechtliche Erlaubnis stehen noch aus.
Quellen:
WAZ - Pläne für Wohnungen und Kita: Kirche in Bochum ist seit über zehn Jahren gesperrt

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen